...aber nicht mit der Deutschen Bahn!
Brauckes war nebst Gattin in Berlin und hat nebenbei ein weiteres, halbwegs sinnvolles Themengebiet für dieses Blog gefunden: Die deutsche Bahn! Insgesamt war diese Berlinreise sehr fortbewegungsmittelzentriert (welch ein Wort!), aber der Reihe nach...
Mit der Begründung ein Geschenk einzulösen begaben wir uns am Samstag morgen mit einem ICE ab D´dorf gen Berlin; eingedenk der geplanten nächtlichen Rückreise hatten wir - ob eines langen, anstrengenden Tages, der vor uns lag - schlau im "Ruhewagen" reserviert. Was ist nun ein Ruhewagen?! Stellen wir uns mal ganz dumm und gehen von einem besonders ruhigen Wagon aus, in dem alte Muttis, Ommas und Oppas still gen Alzheimer und Windel dämmern.Tja, das ist nur die halbe Wahrheit: die andere Hälfte besteht aus Horden von jungen Müttern mit ihren nervenden Bälgern! Meist handelte es sich um die Sorte, die ihre "Gustavs" und "Lenas" mit Diskussionen mit erhobenem Zeigefinger erziehen wollen und mit der anderen Hand den schon wieder befüllten Wams zu halten. Dass dieser Erziehungsstil weder von Erfolg gekrönt ist, noch der Ruhe zuträglich, ist nicht nur Misopäden klar. (Beim hektischen Inbetriebnehmen des MP3-Lärmschutzes ist dem Verfasser prompt der Brüll-Apparat kaputt gegangen). Natürlich hatte der Zug verspätung. Als täglicher Nahverkehrsreisender hatte ich mich einfach zu früh gefreut einmal pünktlicher Überholender zu sein, statt der Dumme im Regionalexpress, der die Verspätung vom Fernverkehr in Überholungen übertragen bekommt.
Der Aufenthalt in der Hauptstadt hingegen war insbesondere unter dem Gesichtspunkt Fortbewegungsmittel sehr anregend. Zu Fuß ging es vom neuen, imposanten Hauptbahnhof zum Reichstag, der sein eigenes Klima zu haben scheint: man beachte die Richtungen der beiden Fahnen. Über das Brandenburger Tor, Unter den Linden usw. gings dann mit Unterbrechungen zum Alex, von wo aus uns das hervorragend ausgebaute BVB-Netz uns zum Potsdamer Platz brachte.

Hier erwartete uns dann nach Bahn, Fußmarsch U-Bahn ein höchst interessantes Vehikel...
... viel Später, nach etlicher Fußmärschen und spanennden Eindrücken, dann ein weiteres:

Die schlechte Qualität des letzten Bildes lag einerseits an der Scheibe, die uns frecherweise von dem Fahrzeug trennte und andererseit an der "Vorfreude" auf ein kulturelles "Sahnehäubchen", dass uns kurz bevor stand: Der Dreigroschenoper von Bert Brecht in der Inszenierung von Brandauer mit Andreas Frege (Campino) in der Hauptrolle. So toll, dass wir nach einer Stunde flüchten konnten.
Zurück zum zentralen Anliegen dieses Eintrags: Der Bahn. Nächtens sollte es ab Bahnhof Zoo mit dem Nachtzug zurück ins Rheinland gehen. Herrlich, schön in der Ruhe eines Abteils schlafend nach Hause und dann um 6:19 Uhr entspannt ankommen, Kaffeetrinken und noch ein, zwei Stunden schlafen - dachten wir. Scheisse auch!
Zunächst einmal stand auf der Abfahrtstafel, dass der Zug 0:43 Uhr ab Gleis 4 fahren sollte - auf dem Plan stand was von 0:37 Uhr ab Gleis 3. Hmm, komisch, aber was sind schon sechs Minuten?! Zur Sicherheit mal beim immernoch besetzten Servicepoint nachgefragt: ok, Baustelle im Bahnhof, passt schon, also ab zum Gleis, drei Etagen höher. Dort angekommen ist erstmal gar nichts auf den Anzeigetafeln zu sehen und pünktlich um 0:42 Uhr kommt eine vollkommen unverständliche Durchsage von Nachtzug und Verspätung. Keiner mit Ahnung zu sehen, also wieder ab zum Servicepoint, der schon von Reisenden belagert ist: tatsächlich kommt der Zug "etwa 15-20 Minuten" später. Ist aber gar nicht schlimm, der Zug wird ja in Hannover getrennt und hat dort eine Stunde Aufenthalt=Puffer, die Zeit wird wieder rausgeholt. "Ach ja, der Zug ist proppevoll ausgebucht." - Soviel zur Ruhe und entspannten Abfahrt. Irgendwann kam der Zug, einer unserer Plätze war besetzt, kurzum: es war eine unerfreuliche, unangenehme Zugreise mit wenig Schlaf. Das überraschende Element: die Verspätung. Als wir aus unserem Halbschlaf mit schmerzenden Gliedern erwachten, sollten wir eigentlich schon eine Stunde weiter sein. Als wir ankamen, hatten wir 1:26 Verspätung angesammelt. Wenn es dafür Geld, Zinsen oder auch nur Bahn-"Comfort" (dieses Wort spottet jeden Kommentars) Punkte gäbe! Die Bahn selbst hat dafür auch keine Worte.
Am kommenden Wochenende gehts mit der Bahn nach Marburg, mal sehen, was es dann Spannendes in dieser Kategorie zu berichten gibt.