Nun ist es also soweit. Brauckes ist der Marketingmaschinerie von Apple erlegen. Ein letzter Versuch war die Ersteigerung eines N95 'Computer 2.0' von Nokia, welches eigentlich alles kann, was Apples Schmuckstück auch hervorbringt (dachte ich) und noch viel mehr, wie UMTS, GPS usw. usf.. Das N95 hatte ich - quasi nolens volens - günstig bei einem großen Internetauktionshaus 'geschossen' und mich dann mehr oder minder bereitwillig in mein Schicksal ergeben. Aber dann:
ZACK! Ein Freund, der regelmäßig geschäftlich in den Staaten (will sagen: Amerika, aber 'in den Staaten' klingt so herrlich blasiert weltlnännisch) ist, meldet erstens sich und zweitens mir das mitgebrachte iPhone: "[...]biste noch interessiert?" - Klar bin ich - Olaf ist ein echt prima Kerl!
Am gleichen Tag kam dann das N95, welches ich mir nun wieder schlechtreden und jedem, der mir in den Weg kam, schönreden mußte. Leider half letzteres nicht, weswegen es gleich wieder versteigert wurde. Inzwischen war auch schon das iPhone auf dem sendungsverfolgten Weg zu mir, den ich mir Argusaugen ungeduldig begleitete. - BOAH, das dauert! Die Wartezeit sollte aber auch nicht ungenutzt verstreichen, weswegen ich mir nur alle möglichen und unmöglichen Quellen im Netz eingesaugt habe und Vorbereitungen traf:
- iTunes auf den neuesten Stand gebracht
- Von einer wohlbekannten Quellseite aus dem Kongeriket Norge (Danke für den Tipp, Olaf, spitze!) das Knack und Back Paket gezogen (2,5. dafür muss allerdings das neulich noch deinstallierte .NET 2.0 Framework wieder installiert werden - dreck.)
- Die Firmwareversion 1.1.3 von der gleichen Quelle geladen
- Die Einstellungen für ePlus GPRS (habe eine Simyokarte auserkoren, im iPhone zu werkeln) verifiziert
- Die WLAN-Einstellungen im lokalen Netzwerk doppelt geprüft
- E-Mail Einstellungen von zwei, drei Adressen notiert
- Funambol eingerichtet, um meine Kontakt auf das Gerät zu bekommen
- Gefühlte 2^10 mal die Anleitungen gelesen, was zu tun ist, um die Firmware einzuspielen und das iPhone von seinen Ketten zu befreien, die Jünger nennen das 'unlocking' und 'jailbreaking'
- Zur Sicherheit nochmal alle vorherigen Schritte auf einem Blatt Papier notiert
Jetzt werden einige sich natürlich fragen, was Funambol eigentlich ist. Nun, Funambol ist eine Kontaktschlampe im Internet, die den ganzen Adressbonzen, wie Adressbüchern von Mailprogrammen und Webmailern sowie Mobiltelefonen und PDAs das SyncML-Protokoll einblä... - will sagen einhaucht, sodass diese über eine Plattform die Daten, auf denen sie sitzen, synchronisieren können. Wenn man der Betreibertruppe traut, nutzt man deren Plattform - wenn nicht, baut man seine eigene.
Kurz gesagt: ich habe meinem beruflichen und meinem Thunderbird beigebracht, ihre Kontakte im Internet zu parken, ohne, dass es Unfälle gibt. Ziel ist es, dass das iPhone diese vereinigte Daten dann OverTheAir (Willy Tomczyk würde sagen: "Wie?! Wat?! Luft?!") bezieht.
Es war ein Freitag im Februar 2008: Endlich Wochenende, banges Warten auf ein iPhone, welches schon Donnerstag hätte kommen können. Andererseits, die Zeit ist knapp, da Samstag ein Umzug eines Freundes ansteht. Egal, ich will jetzt dat Dingen haben. Vorsichtiges Luken in den Briefkasten, jaaaa, eine Benachrichtigungskarte - uuuund? - ja. Ja. JA. JA! JA! es wurde bei einer Nachbarin abgegeben, wie auf der Klingel draussen notiert. Diese ist auch noch zu Hause! Und ab vor den Rechner zur Einrichtung.
Beim Auspacken war ich noch etwas skeptisch: "ist ja doch schwerer als gedacht" - "fühlt sich aber doch gut an" - "ist ja doch etwas groß" - "aber allein dieses Sleiding, um die Tatschskriensperre zu lösen ist einfach toll". Olaf ist ein Guter!
Los gings mit dem vordefinierten Programm aus Firmwareupdate, Unlock/Jailbreaking, Einstellungen. Einfach unglaublich cool, wie das von Statten geht und in welcher Geschwindigkeit. Das erste Highlight ist der Paketmanager, der mit dem Jailbreaking verfügbar wird! Wie unter Ubuntu und Co kann man einfach weitere Software aus der Luft nachinstallieren. An diesem Punkt begann ich das Gerät fast zu lieben
Olaf ist ein ganz Großer!
Allerdings habe ich mit Funambol begonnen und mich dann gewundert, dass es nicht funktioniert: das BSD-Subsystem ist nicht zu vergessen, damit wird das Gerät befähigt weiter Programme zu betreiben. Immernoch tat es Funambol nicht! Ob es an meinem Router liegt, der dem iPhone drahtloses Asyl gibt? - Egal, das muss an dieser Stelle warten, schliesslich gibt es auch noch eine Frau Brauckes und die liebe ich so richtig und in echt
. Also zwei Stunden Pause und erstmal in die nächste Tapasbar. Dabei konnte ich mir dann noch ein paar Gedanken machen und Fehlerquellen eruieren.
Zurück zu Hause dann stellte ich fest, dass die EDGE-Einstellungen einen kleinen Fehler aufwiesen und - juhuu - Funambol funambolte. Mein Freund André Mr.Trendsetter aus Kalifornien gab mir einerseits noch per Skype den Tipp, last.fm zu installieren und andererseits die Weissagung mit auf den Weg, dass sich mein Onlineverhalten mit dem IP noch ändern würde. Er z.B. greift morgen als zweites zum IP und guckt noch im Bett bei Spiegel Online vorbei.
Daran sollte ich mich einige Stunden später nach dem Aufwachen am Samstagmorgen erinnern und ging noch im Bett online. Danach ein wenig YouTube. Schließlich ist mir der Tipp mit last.fm eingefallen: also nichts wie per Installer die Software drauf. Unter Einstellungen taucht eine neuer Punkt auf, wo mir mitgeteilt wird, dass ich ein Konto eröffnen soll. - Gar kein Thema: in Safari einen neuen Tab aufgemacht und die Anmeldung ausgeführt, dann die Mails gecheckt und die Anmeldung abgeschlossen.
Auch wenn es eine Konkurrenzfirma ist: last.fm ist schon große Klasse, ein Ansporn die Jungs ein- und zu überholen: man kann einfach Webradio hören, indem man einen Künstler eingibt, der einem gefällt und prompt werden einem ähnliche Künstler vorgespielt, die andere Nutzer mit ähnlichem Musikgeschmack auch gehört haben. Natürlich werden diese Vorschläge mit der Zeit genauer, denn dafür gibt es das sogenannte 'Scrobbeln'. Hier werden Informationen der Musikstücke, die man gerade hört, an last.fm übertragen. Natürlich kann man einstellen, ob man über EDGE scrobbeln will, oder eher nicht.
Der Clou ist, dass wenn man nun den eingebauten iPod anwirft und dann in den MobileScrobbler wechselt, nicht nur das Cover angezeigt wird, sondern auch ähnliche Künstler vorgeschlagen werden, Biographien angeboten werden, die Musiktexte erscheinen und Konzerthinweise etc. abrufbar werden. Ein Antippen des Bildschirms zaubert ein Untermenü hervor: blocken, lieben, nächstes Lied.
Ich bin dem Teil verfallen. Olaf, ich bewundere Dich für die altruistische Tat, mir dieses Gerät mitgebracht zu haben! Muss man überhaupt noch aufstehen und zum Rechner gehen? - Achja, der Umzug...
...ist am heutigen Sonntag hinter mir.
Während ich hier sitze, und tippe, höre ich also nebenbei Musik über mein feines iPhone und scrobbel nebenbei. Will heißen: ich höre Musik über mein iPhone und lasse mir gleichzeitig die Künstlerbiografien (jetzt gerade Hans-Jürgen Dohrenkamp) anzeigen und mir Tipps geben, was ähnliche Künstler sind (z.B. Dieter Nuhr). Olaf, ich liebe Dich, zwar nicht wie meine Frau oder so, aber ich liebe Dich, ehrlich 
PS.: Das N95 ist gestern abend bei eBay rausgegangen, ich habe es noch nicht mal angeschaltet.